Mediensysteme aufbauen: Eine effiziente vierte Gewalt ermöglichen
26. Oktober 2006Hussein Amin lehrt an der American Unversity in Kairo und sagt, in der arabischen Welt würden Medien vor allem zur Veröffentlichung von offiziellen Meinungen genutzt, allerdings bestehe die Konkurrenz anderer Medien aus dem Ausland - die entsprechend mehr genutzt würden, und zwar auf Kosten der heimischen.
Journalisten, die über Korruption berichten, befinden sich laut Amin in Gefahr, eine weitere Gefahr drohe von der Seite von Religionsvertretern.
Journalisten seien nicht hochangesehen, verdienten wenig und seien daher anfällig für Korruption. Entsprechend hoch sei der Bedarf nach Training.
Die Bilanz für Journalismus als Watchdog ist also nicht so gut, allerdings bewege sich manches in der Blogosphäre. Bezogen auf das Mediensystem sind laut Amin die Anstrengungen allerdings noch nicht wirklich vehement, um wirklich freie Medien zu ermöglichen.
Marites Vitug von den Philippinien will über das “Paradox der freien Medien und der Demokratie” sprechen. Die Medien seien die freiesten in der Region, aber ihre Leistung sei nicht toll. Medien seien im Besitz einiger weniger Konglomerate und formten dort nur einen kleinen Zweig im größeren Geschäft.
Marie Struthers vom Open Society Institute bemängelt, dass die Geber für Medienprogrammen oft nicht bereit seien, sich langfristig zu engagieren.
Shanthi Kalathil stimmt zu, Verbesserung der Medienleistung sei eine langfristige Angelegenheit.
Sie nennt vier Maßnahmen:
Journalisten-Training - aber das allein reicht nicht. Man habe aber mit Mentoren in Redaktion und Management gute Erfahrungen gemacht
Es muss klargemacht werden, dass und wie sich redaktionelle Unabhängigkeit rechnet. Redaktionelle und finanzielle Unabhängigkeit schließen sich nicht aus - aber redaktionelle Unabhängigkei sei unbedingt nötig.
Guter Journalismus braucht eine Umwelt, die guten Journalismus ermöglicht. Die zu kultivieren, sei nötig.
Bilden von Vereinigungen im und um den Journalismus - von Journalisten bis zu Watchdogs für Journalismus
Sie macht auf den Media Sustainability Index von Irex aufmerksam
Marie Struthers nimmt die Geber unter die Lupe. Struthers vom OSI bemängelt, dass Geber zu wenig bereit seien, sich langfristig zu engagieren. Die Qualität im Journalismus zu verbessern, sei nun einmal ein langfristigers Projekt.
Paolo Mancini vom Journalismus-Institut der Uni Perugia zeigt sich nicht zufrieden mit dem gesagten. Aus seiner Sicht gibt es nicht den einen Journalismus, der besser wäre als der andere. Journalismus sei immer an die Gesellschaft gebunden. Er spricht sich gegen die Idee eines unabhängigen Mediensystem - verstanden als kommerzielles Mediensystem - aus. Wer für ein unabhängiges Mediensystem plädiere, müsse sich über die Konsequenzen klar werden. Medien seien eben abhängig von den Interessen des Business, der Parteien; alle Medien seien abhängig - entscheidend sei Transparenz der Abhängigkeit. Letztlich - außer Unabhängigkeit vom Staat - sieht Mancini keine Notwendigkeit für Unabhängigkeit der Medien. Aber niemand solle versuchen, Mediensysteme umzugestalten, wenn man nicht die Gesellschaft umgestalten kann.